Was ist Spina Bifida?
Spina Bifida ist lateinisch und bedeutet "Wirbelspalt" oder "Spaltwirbel". Im Umgangssprachlichen sehr häufig "offener Rücken" genannt. Dabei handelt es sich um eine Fehlentwicklung des Neuralrohres (die spätere Wirbelsäule) im ersten Schwangerschaftsdrittel. Durch bis zum heutigen Tage teilweise noch unentdeckten Gründen, kommt es nicht zum vollständigen Verschluss des Neuralrohres.
Man unterscheidet verschiedene Ausprägungen der SB:
Spina bifida occulta
"Occulta" bedeutet "verborgen; nicht sichtbar". Diese Form der SB ist dadurch gekennzeichnet, dass sich nur ein zweigespaltener Wirbelbogen findet, ohne dass das Rückenmark mit seinen Rückenmarkshäuten (Meningen) beteiligt ist. Sie ist darum nicht von außen sichtbar. Die SB occulta ist recht häufig und wird oft nur zufällig bei Röntenaufnahmen oder einer Untersuchung des Rückens festgestellt. Besonders bei bettnässenden Kindern wird die SB occulta auffallend häufig gefunden. In der Regel hat sie medizinisch keine besondere Bedeutung; eine Behandlung ist nicht nötig. Ein Dermalsinus (kleine Hautöffnung) kann vorkommen.
Spina bifida aperta
"Aperta" bedeutet "offen; sichtbar". Es werden drei Formen unterschieden:
- Meningozele: Bezeichnet eine einfache, leichtere Form von SB aperta. Dabei wölben sich nur die Rückenmarkshäute (Meningen) durch einen Wirbelbogenspalt unter der Haut vor. Die dabei entstehende Blase (Zyste) ist sichtbar. Sie kann operativ entfernt werden. Es entstehen keine Beeinträchitgungen, denn das Rückenmark ist in seiner üblichen Lage und nicht geschädigt.
-
Meningomyelozele: Bei dieser schweren Form liegt eine Spaltbildung in der Wirbelsäule vor und durch diesen Spalt treten Teile des Rückenmarks (Myelon), der Rückenmarkshäute (Meningen) und Nerven in eine Blase (Zyste) sichtbar nach außen hervor. Dadurch verlieren die Nervenstränge an der betroffenen Stelle ihren Schutz und es kommt zu Schädigungen. Der beschriebene Vorfall kann operativ durch Hirnhäute überhäutet werden.
-
Myeloschisis: Dieser Begriff wird häufig für besonders schwere Befunde einer SB aperta verwendet, bei denen das Nervengewebe an der betroffenen Stelle völlig sichtbar freiliegt und nicht von Haut oder Bindegewebe bedeckt ist.
Was ist Hydrocephalus?
Hydrocephalus ist griechisch und heißt Wasserkopf. Ein Wasserkopf entsteht, wenn die Flüssigkeit, von der unser Hirn umschlossen ist, nicht ungehindert zirkulieren kann. Es gibt immer eine gewisse Menge Flüssigkeit, die in und um unser Hirn zirkuliert. Normalerweise wird sie absorbiert - als ein Teil ganz normaler Körperfunktion. Das Baby mit Hydrocephalus leidet an einer Störung, die diese Absorption verhindert, und demzufolge sammelt sich im Schädel die Flüssigkeit immer mehr an. Es entsteht ein Überdruck, welcher den Schädel übermäßig erweitert. Dies Entwicklung wird durch mehrmalige tägliche Umfangmessung des Schädels festgestellt. Nötigenfalls wird in der Schädeldecke ein Ventil installiert, um diese Blockierung zu beheben und die überschüssige Flüssigkeit abzuleiten. Ein solcher Wasserkopf tritt bei 80% der Spina-Bifida-Kinder als Folgeerscheinung auf.
Wie äussert sich Spina Bifida und Hydrocephalus?
In vielen Fällen hat Spina Bifida eine Lähmung oder Schwächung der Beine zur Folge. Die Auswirkungen sind sehr stark davon abhängig, in welcher Höhe der Wirbelsäule die Cele liegt.
Normalerweise muss das betroffene Kind kurz nach der Geburt operiert werden, um die Cele am Rücken zu schliessen.
Eine Heilung von Spina Bifida ist nicht möglich. Die diversen Begleiterscheinungen lassen sich jedoch sehr wohl durch geeignete Operationen und Therapien minimieren.
Eine Unterform ist Spina Bifida Occulta. Dabei liegt die Cele nicht offen, sondern ist durch eine Hautschicht begedeckt. Dies bedingt, dass eine Spina Bifida Betroffenheit erst spät -oder gar nicht - erkannt wird.
Die Langzeitfolgen von Spina Bifida sind meist geschwächte oder gelähmte Beine sowie Schwierigkeiten mit Stuhl- und Blasenkontrolle (Inkontinenz).
Hydrocephalus ist in vielen Fällen eine Folge von Spina Bifida, kann jedoch auch ohne eine solche auftreten. Weiters kann sich ein Hydrocephalus aus diversen (nicht mit Spina Bifida im Zusammenhang stehenden) Gründen im Laufe des Lebens eines Menschen bilden. Wenn ein Spina Bifida Kind ohne Hydrocephalus zur Welt kommt, kann man davon ausgehen, daß sich ein solcher auch im Laufe des Lebens nicht entwickeln wird.
Wird der Hydrocephalus rechtzeitig erkannt und behandelt, so sind wenige bis keine Langzeitfolgen zu erwarten. Die gängigste Behandlung eines Wasserkopfes ist ein Ventil (Shunt) in den Schädel einzusetzen, welches den Abfluß der überschüssigen Gehirnflüssigkeit in den Bauchraum oder in das Herz steuert - beim gesunden Menschen wird diese Flüssigkeit über die Wirbelsäule vom Körper absorbiert.
Eine (nicht in allen Fällen) mögliche Alternative zum Shunt ist die "Third Ventriculostomy". Hierbei wird endoskopisch ein Loch in den dritten Ventrikel des Gehirns gemacht, welches den Abfluß der überschüssigen Gehirnflüssigkeit ermöglicht und reguliert.